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Eine prophetische Geschichte von Werner / 13. März 2002
Gethsemane
Oh man, heute ist ein schwerer Tag. Ich weiß nicht, ob ich das alles packe, ob meine Freunde das packen. So viel liegt vor mir, liegt vor ihnen. Sie werden allein sein, Vater - ganz allein.
Ich werde versuchen, es ihnen beizubringen. Ich spüre, dass sie merken, dass etwas anders ist als sonst. Ich habe ihnen ja schon alles erzählt, doch sie haben es noch nicht verstanden. Jetzt, wo wir auf dem Weg in den Garten sind, da scheinen sie eher fröhlich zu sein. Sie kennen es ja auch schon. Ich bete und anschließend gehen wir irgendwo hin und sie dürfen wieder einmal Wunder sehen. Gerade jetzt zum Fest erwarten sie sehr viel von mir.
Doch die Sache mit Judas liegt ihnen noch im Magen. Auch Petrus sieht ganz verstört aus. Er ist sehr nachdenklich. Vater, auf ihn habe ich alles gesetzt. Ich bitte dich darum, dass du ihn nicht fallen lässt, gib ihm Kraft, er braucht sie.
Der Weg zum Garten ist mir auch schon mal leichter gefallen. Ja, Vater, - ich weiß, was auf mich zukommt. Ich muss diesen Weg alleine gehen, doch meine Freunde, sie sind auch allein. Ich habe so große Angst! Jetzt, wo wir im Garten angekommen sind, werde zu ihnen sprechen müssen.
„Freunde, setzt euch hier hin und wartet und betet mit mir, dass ihr nicht in Versuchung geratet. Ich werde dort drüben hingehen, nur einen Steinwurf weit und dort selber beten.
Petrus und ihr, Söhne des Zebedäus, kommt mit mir, leistet mir ein wenig Gesellschaft.“
Vater, was soll ich nur tun, ich werde die drei auch allein lassen müssen. Wenigstens sind sie näher bei mir wie die anderen.
„Meine Seele ist sehr betrübt, bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir!“
So Vater, jetzt bin ich ganz allein und sie sind es auch. Ich werde noch etwas abseits gehen, damit sie es nicht so mitbekommen.
Vater, ich kann nicht mehr, meine Kraft ist am Ende. Wenn ich daran denke, was alles geschehen wird, dann wird mir Angst. Nie hast du dein Angesicht von mir abgewandt, ich war dir immer nah.
Wie kann ich von mir selber getrennt sein?
Der Gedanke zerreist mich!
Ich kenne nur das Licht, nur die Wahrheit.
Ich habe Angst vor der Dunkelheit und Angst, dass meine Freunde mich verlassen werden.
Angst vor der Einsamkeit.
Oh Vater, wie soll ich es schaffen, denn ich bin jetzt schon am Ende.
Vater, wenn es irgendwie möglich ist, dann lass diesen Kelch doch an mir vorüber gehen;
- doch nicht mein Wille, sondern dein Wille soll geschehen.
Danke, Vater, dass du mir den Engel gesandt hast mich zu stärken, doch mein Kampf ist noch nicht zu Ende und mein Leid wird alles übersteigen, was Menschen sich nur vorstellen können. Ich habe keine Kraft mehr, ich werde zu Petrus gehen und sehen, was er macht.
Oh Gott, sieh nur! Sie schlafen.
„Petrus! Wach auf!
Nicht einmal eine Stunde konntet ihr mit mir wachen?
Ihr müsst wachen und beten, damit ihr nicht in Versuchung kommt; der Geist ist zwar willig, das Fleisch aber ist schwach, betet!
Seht, ich gehe wieder drüben an den Felsen und bete daselbst.“
Vater, meine Knie sind schwach geworden.
Vater, wirst du mich retten aus dem Tod?
Ich bin nur noch ein Wurm und kein Mensch
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.
Alle, die mich sehen, werden über mich spotten;
sie werden die Lippen verziehen und ihre Köpfe schütteln, sie werden unseren Namen in den Dreck ziehen.
Vater! Sei nicht fern von mir, denn die Not ist so nahe
und kein Helfer ist da!
Wie Wasser bin ich hingeschüttet, und alle meine Knochen haben sich zertrennt; wie Wachs ist mein Herz geworden,
zerschmolzen in meinem Inneren.
Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe,
und meine Zunge klebt an meinen Gaumen;
und in den Staub des Todes wirst du mich legen.
Oh mein Vater!
Bitte, bitte bewahre meine Freunde in der Not, die auf sie zukommt. Gib ihnen jetzt genügend Kraft für die Zeit wo ich nicht da bin.
Vater, - es scheint so sein zu müssen.
Wenn ich diesen Kelch nicht trinke, dann werden sie alle in ihren Sünden sterben.
Ja Vater, ich weiß dass es keinen anderen Weg zur Versöhnung gibt. Gut, wenn dieser Kelch nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille.
Jetzt ist schon wieder viel Zeit verstrichen. Ich werde mal nach meinen Freunden schauen.
Oh Vater, sie schlafen ja schon wieder.
Wie zerbrechlich sind sie doch alle.
Ich bitte dich, bewahre sie vor dem Bösen.
Ja, schlaft, dann werdet ihr vielleicht die dunkle Zeit besser bewältigen können, ja ruht euch aus.
Aber seht, die Stunde ist nahe gekommen,
und der Sohn des Menschen wird in Sünderhände überliefert.
„Steht nun auf, lasst uns gehen! Seht, der mich überliefert ist schon nahe.“
Textquellen:
Psalm 22
Markus 14, 32 – 42
Matthäus 26, 36 – 46
Lukas 22, 39 – 46
Jesus Christus
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